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Das Modellbahnzentrum Schluchsee kann nicht überzeugen


15.08.09 20:56

Die ungleichmäßig schlecht beleuchtete langweilige Landschaft wird dominiert von eintönigen Grasflächen und lieblos aufgetragenem Gips

Normalerweise äußere ich mich nicht negativ über Modelleisenbahnanlagen – jeder soll so bauen, wie er kann und wie es ihm gefällt. Wenn man allerdings viel Eintritt bezahlen soll für eine Schauanlage, die dann nicht hält, was die Werbung verspricht, muss auch eine negative Kritik erlaubt sein!
Es geht um das Modellbahnzentrum Schluchsee, das ich diese Woche besucht habe. Zunächst die Anreise: Auf der Internetseite steht, man solle zum Bahnhof Seebrugg fahren, die Ausstellung sei in „direkter Nähe zur Schluchsee-Staumauer“. Nachdem man dann vom Bahnhof zur Staumauer gewandert ist, findet man auch ein schönes Schild, auf dem die Entfernung mit 500 m angegeben ist. Diese 500 m haben sich dann doch ganz schön gezogen und ich habe auf einer Karte nachgesehen: Es sind tatsächlich 900 m. Und da sind wir auch schon bei dem ersten Problem: Dem Besucher nicht so ganz die Wahrheit zu sagen, scheint hier zum Geschäft zu gehören. Insgesamt sind es vom Bahnhof 2,5 km, also eine halbe Stunde Fußweg, was ja an sich nichts Schlimmes wäre, würde man nicht versuchen es zu vertuschen.
Das Haus selbst liegt in Blasiwald in einer kleinen Idylle und wurde sehr schön hergerichtet, also sind eigentlich optimale Voraussetzungen gegeben. Auch der Eingangsbereich mit Shop und Cafeteria ist klein aber schön gestaltet. Doch 4 € Eintritt, die man pro Person an der Kasse zahlt (auch ich als Student), schrauben die Erwartungen stark nach oben. Zum Vergleich: Im Winter habe ich in einer vergleichbar großen temporären Modellbahnausstellung 50 Cent bezahlt, im Miniatur Wunderland Hamburg, das eine mehr als 20-mal größere Anlage zeigt, bezahle ich mit 7 € nicht einmal das Doppelte.
Doch die H0-Anlage kann diese Erwartungen nicht erfüllen: Die Anlage ist nicht völlig schlecht, gerade die Begrünung und die farbliche Gestaltung der Modelle ist in einigen Bereichen gut gelungen – aber beides wurde nicht konsequent durchgezogen und so findet man auch zahlreiche Modelle, die farblich unbehandelt nach Plastik glänzend in der Landschaft stehen. Genauso gibt es Landschaftsbereiche, die von eintönigen Grasflächen und lieblos aufgetragenem Gips („Schnee“) dominiert werden. Der „abwechslungsreiche Zugbetrieb“ beschränkt sich großteils auf einfache Pendelzüge, deren Strecken manchmal mitten auf der Anlage enden – ohne einen Bahnsteig oder gar einen Bahnhof. Einige der Knopfdruck-Aktionen (z.B. Seilbahnen) sind defekt, andere Bereiche anscheinend noch nicht fertig, aber auch nicht im Bau: Der Besucher sieht nicht, dass sich hier etwas tut oder was an diesen Stellen entstehen soll.
Was außerdem sehr enttäuscht, ist, dass es auf der Anlage keinerlei Eigenbauten zu bewundern gibt: Man sieht lediglich Modelle, die alle genau so in den Katalogen der Zubehör-Hersteller zu finden sind und die sich demnach jeder selbst zu Hause aufstellen kann. Es sind keine eigenen Modelle entstanden und es wurden auch keine mit zusätzlichen Funktionen oder besonderer Beleuchtung ausgestattet. Dadurch wirkt die ganze Anlage vor allem für Modellbahner langweilig, weil man eben alle Modelle schon gesehen hat, es ist nichts Neues mehr, es gibt keine neuen Ideen, die man zu Hause nachbauen könnte.
Das größte Problem der Ausstellung ist jedoch die Beleuchtung der Anlage. Die montierten Strahler sind viel zu wenige, die Anlage wird nur sehr ungleichmäßig ausgeleuchtet und vor allem die hinteren Bereiche bekommen kaum noch Licht ab. Hier wurde eindeutig an der falschen Stelle gespart – oder will man im Dunkel etwas vor den Blicken der Besucher verstecken? Einzelne kaputte Strahler sorgen dann endgültig für Taschenlampen-Atmosphäre.
Die kleinere Spur-N-Anlage ist kaum der Rede wert – es fährt lediglich ein Zug im Kreis und zwei pendeln ca. 1 m hin und her – mit Streckenende im Nirwana. Über die im Prospekt angekündigte ICE-Brücke fährt, wie auf den meisten Strecken, kein einziger Zug. Ein kleinerer, recht liebevoll gestalteter Bereich der Anlage mit dreigleisigem Bahnhof und kleinem Ort wird gar nicht von Zügen bedient und der einzige Halogen-Strahler, der diesen Abschnitt beleuchten soll, ist kaputt.

Fazit:
Was kann man nun aus diesem Bericht lernen? Man sollte beim Bau einer Modellbahn nicht am falschen Ende sparen. Eine gute Beleuchtung kostet im Vergleich zum gesamten Rest einer Anlage sehr wenig, beeinflusst das Gesamtbild aber wie kaum etwas Anderes. Hier habe ich die Beleuchtung meiner Anlage beschrieben und es fällt auf, dass ich weniger als 6 m² Anlagenfläche mit mehr als 600 W Lichtleistung bestrahle. Mit 100 W pro Quadratmeter sollte man also rechnen, immerhin will man ja Sonnenlicht nachbilden und das strahlt bei gutem Wetter mit der zehnfachen Leistung auf die Erde. Ähnlich sieht es mit den Farben aus: Sie kosten kaum etwas und man erreicht durch die Alterung der Modelle ein viel realistischeres Bild.
Außerdem sollte man sich um das Thema einer Anlage mehr Gedanken machen: Es ergibt wenig Sinn, Schwarzwald, Schweizer Alpen und Hamburg auf diesen kleinen Raum zu drängen. Besser wäre es z.B. gewesen, die Höllentalbahn detailgetreu nachzubauen. Der Zug kommt beim Hirschsprung aus dem Tunnel, überquert die Ravennaschlucht, begegnet in einem Bahnhof (z.B. Hinterzarten oder Titisee-Neustadt) dem Gegenzug und erreicht dann Seebrugg als Endstation, das alles nach Originalplänen maßstäblich nachgebaut und wirklich liebevoll gestaltet, das wäre eine echte Attraktion für die Region gewesen, anstatt alles nur mit frei käuflichen Bausätzen anzudeuten. Ein gelungenes Beispiel für eine solche originalgetreue Ein-Themen-Anlage ist die Modellbahnwelt Oberhausen – dort zahlt man für fast 10-mal mehr Anlage übrigens nur 6,90 Euro.
So Grundsätzliches kann man in Blasiwald jetzt natürlich nicht mehr ändern, aber was Beleuchtung und Ausgestaltung angeht, kann man leicht nachbessern. Auch zusätzliche, selbst gebaute Modelle nach Originalvorbildern der dargestellten Regionen in die Anlage zu integrieren, ist immer noch möglich.
Nicht alles, was ich hier kritisiere, habe ich auf meiner eigenen Anlage besser gemacht, aber ich bin auch weder Profi noch verlange ich in meinem Modellbahnkeller Eintritt.

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Kommentare zu diesem Artikel

[1] Klauspeter Schmidt schrieb am 26.07.10 15:33 Uhr

Ich habe vor etwa zwei Jahren diese Anlage besucht und kann Deinen Kommentar im grossen und ganzen bestätigen. Damals war diese Anlage wohl noch unfertiger. Der heutige Zustand ist umso erstaunlicher, als ich bei einem Gespräch erfuhr, dass der Erbauer, ich glaube, der Sohn, bei Brillmayer (Brima) hospitiert hat. KpS

[2] rihu schrieb am 11.08.13 13:47 Uhr

Bin auf der Suche nach Berichten der Schluchseemodellbahn auf deine Seite gestossen. Habe ihr gestern (Aug 2013)- trotz deinem alles in allem gesehen negativen Bericht - einen Besuch abgestattet . Fazit: Entweder wurde in der Zwischenzeit einiges optimiert, oder dann hast du eigene Vorstellungen davon, wie eine Modellbahn auszusehen hat, was ich durchaus nachvollziehen und verstehen kann. (Aber dann müsstest du an deiner eigenen Anlage dann wohl auch einiges überarbeiten ;-). Was ich mitteilen möchte: Die Anlage am Schluchsee ist sicher nicht vergleichbar mit Hamburg aber trotzdem einen Besuch wert wenn man eh schon in der Gegend ist oder anders rum gesagt man kann den Besuch ja als Abschluss eines schönen Wander- oder Biketages planen, dann fallen die paar zusätzlichen, nicht deklarierten Meter vom Wegweiser bis zur Anlage auch nicht ins Gewicht ...;-) PS: 4€ hat jeder von uns wohl schon für Dümmeres ausgegeben. Du vermutlich für den Strom deiner Scheinwerfer.

[3] Benjamin schrieb am 13.08.13 21:06 Uhr

Danke rihu für deinen Kommentar. Mein Bericht ist ja mittlerweile vier Jahre alt, da kann man eigentlich nur hoffen, dass in der Zwischenzeit ordentlich nachgebessert wurde. Aber meine Kritikpunkte waren ja recht konkret formuliert und wenn du magst, kannst du ja gerne mal berichten, ob mittlerweile z.B. die Anlage besser bzw. einigermaßen gleichmäßig beleuchtet ist, ob immer noch an vielen Baustellen die blanken Spanplatten zu sehen sind, ob immer noch keine Seilbahn funktioniert und je Strecke nur ein Zug hin und her pendelt. Das sind ja alles leicht überprüfbare Fakten. Dass meine eigene Anlage meinen eigenen Maßstäben mittlerweile nicht mehr gerecht wird, ist kein Geheimnis. Die ist über die Jahre aus meiner allerersten Spielbahn entstanden - es ist eher verwunderlich, dass sie nach fast 20 Jahren überhaupt noch einigermaßen ansehnlich ist. Das ist wohl vor allem den zahllosen Überarbeitungen und Erweiterungen der letzten Jahre geschuldet. Inzwischen habe ich mir aber einen Investitionsstopp verhängt, denn das Ende der Anlage ist absehbar. Nur wenige einzelne Modelle und etwas Rollmaterial wird überleben, wenn ich in den nächsten Jahren mit einer komplett neuen Modulanlage anfangen werde. Die wird sich dann hoffentlich auch an meinen eigenen Maßstäben messen lassen können. Ich habe große Pläne und bin zuversichtlich :-)

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